Ein Koffer voller Solarwissen: hftm-Diplomarbeiten für den Südsudan

Internationaler Wissenstransfer im hohen Norden: HFTM-Dozierende zu Gast an der OAMK Oulu

Zwei Diplomarbeiten, ein Ziel: Fachleute in Juba sollen Solaranlagen sicher planen und reparieren können.

Bereits heute gibt es im Südsudan vereinzelt Solaranlagen, doch es fehlen Orte, an denen man den Umgang mit ihnen wirklich üben kann. Zwei Diplomarbeiten der hftm schliessen diese Lücke: ein Lehrmittel und ein mobiles Übungsgerät für die Photovoltaik-Ausbildung an der University of Juba. Im Oktober kamen beide beim Training of Trainers vor Ort zum Einsatz.

Wenn das Netz fehlt

Selbst in der Hauptstadt Juba ist das öffentliche Stromnetz nur eingeschränkt verfügbar und sehr teuer. Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Betriebe und Haushalte setzen deshalb auf eigene Photovoltaikanlagen. Damit diese sicher und dauerhaft laufen, braucht es Fachleute, die sie planen, installieren und warten können.

An der University of Juba ist viel Theorie vorhanden. Es fehlen jedoch Anlagen zum Üben und Unterlagen mit Praxisbezug.

Hier setzt REPOS an (Renewable Energy & Peace Education in South Sudan). Gemeinsam mit swisspeace und der University of Juba unterstützt die hftm eine praxisnahe Ausbildung am STEM and Vocational Centre der Universität.

Rechnen, verstehen, beurteilen

Sascha Leo Lange hat ein Theoriemodul verfasst, mit dem Studierende ihr Grundwissen Schritt für Schritt anwenden lernen: von der Auslegung der Anlage und der Batterie über Kabelquerschnitte bis zu Schutzkonzepten, Erdung und Überspannungsschutz. Mit dem frei zugänglichen Tool PVGIS vergleichen sie Simulationen mit ihren eigenen Berechnungen.

Wichtiger als das blosse Anwenden von Formeln ist das Urteilsvermögen: Die Lernenden sollen Resultate einordnen und Entscheide begründen können.

Im Paket stecken:

  • Unterlagen für Intermediate- und Advanced-Niveau samt Workbooks mit ausführlichen Lösungswegen
  • praxisnahe Fallstudien
  • eine PVGIS-Anleitung und Material zur Fehlersuche
  • 75 Multiple-Choice-Fragen mit Erklärungen

Alles funktioniert gedruckt oder digital und ohne Lernplattform. Das Modul lässt sich so unkompliziert in den Unterricht in Juba einbauen.

Das Solar-Labor im Koffer

Oliver Rickenbacher hat sich in seiner Diplomarbeit der Praxis gewidmet: Er baute eine transportable Anlage, die zeigt, wie eine netzunabhängige Photovoltaikanlage aufgebaut ist und funktioniert. An definierten Messpunkten prüfen die Teilnehmenden Spannungen und beobachten das Zusammenspiel der Komponenten.

Der Clou: Störungen lassen sich gezielt und beliebig oft auslösen, ohne dass eine echte Installation Schaden nimmt. Geplant waren fünf Fehler und fünf Übungen, geworden sind es sieben simulierte Fehler mit sieben Übungsblättern, dazu eine ausführliche Anleitung.

So üben die Teilnehmenden, dem Energiefluss zu folgen, Ursachen einzugrenzen und bei der Fehlersuche strukturiert vorzugehen.

Theorie und Praxis im Zusammenspiel

Die beiden Arbeiten greifen ineinander: Was theoretisch berechnet wird, lässt sich am Koffer nachmessen, und bei einer Störung hilft das Wissen aus dem Modul bei der Ursachensuche. Beide entstanden für einen konkreten Einsatz und berücksichtigen die Bedingungen in Juba.

Training of Trainers: Wissen weitergeben

Anfang Oktober fand in Juba das Training of Trainers (ToT) am STEM and Vocational Centre statt: Lokale Lehrpersonen und Fachkräfte lernten die neuen Unterlagen und Übungen kennen. Im Zentrum stand die Multiplikation: Die Trainerinnen und Trainer sollen die Inhalte künftig selbst unterrichten, weiterentwickeln und an neue Studierende weitergeben.

Das Programm wechselte zwischen kurzen Theorieblöcken, Rechenaufgaben, Demonstrationen und Praxisübungen. Diskutiert wurden Anwendungsfälle aus der Region, geübt wurde die Fehlersuche am Koffer. Dazu kamen Themen wie nachhaltige Abfallbewirtschaftung und Konfliktsensitivität bei der Planung von Solaranlagen. Der Austausch mit lokalen Unternehmen und Bildungsinstitutionen sollte die Ausbildung nah an den Anforderungen des südsudanesischen Arbeitsmarkts halten.

Vor Ort in Juba dabei war auch Cyril Andreatta, der das Training unterstützte. Sein Einsatz unterstreicht, was REPOS ausmacht: Nachhaltig wird Wissenstransfer im persönlichen Austausch und in der Zusammenarbeit.

Mehr als eine Diplomabgabe

REPOS zeigt, dass Diplomarbeiten weit über den Abschluss hinaus wirken können: Aus zwei Arbeiten sind Lehrmittel und Trainingswerkzeuge entstanden, die direkt im Unterricht eingesetzt werden.

Ob das Konzept aufgeht, zeigt sich später: wenn lokale Lehrpersonen die Kurse eigenständig weiterführen und immer mehr Studierende Solaranlagen sicher planen und warten können. Dann haben zwei Diplomarbeiten aus Grenchen einen echten Beitrag zu einer nachhaltigeren Stromversorgung im Südsudan geleistet.