Gastdozenten an der Universität Hawassa - Wissenstransfer und internationale Praxiserfahrung in Äthiopien

Anfang Februar waren drei Dozierende der hftm für eine einwöchige Gastdozentur an der Universität Hawassa (Äthiopien). Neben dem Unterricht vor Ort stand vor allem der fachliche Austausch und der Know-how-Transfer im Zentrum - ein wichtiger Baustein der internationalen Zusammenarbeit und der praxisnahen Ausbildung an der hftm.

Die hftm engagiert sich seit mehreren Jahren in internationalen Bildungskooperationen. Ein aktuelles Beispiel ist die Gastdozentur an der Universität Hawassa in Äthiopien: Florence Jacob, Richard Moor und Urs Schild vermittelten vor Ort Inhalte aus insgesamt drei Fächern und tauschten sich mit Studierenden und lokalen Dozierenden aus.
Der Unterricht richtete sich an gemischte Klassen aus dem 1., 2. und 3. Studienjahr. Die hohe Beteiligung und das Interesse der Teilnehmenden unterstreichen, wie relevant technische Themen im internationalen Kontext sind - insbesondere dort, wo Fachwissen und Infrastruktur im Aufbau sind.

Ein Schwerpunkt lag auf dem nachhaltigen Wissensaufbau: Im Bereich Messtechniken stand nicht nur die direkte Vermittlung an Studierende im Fokus, sondern auch der gezielte Know-how-Transfer an lokale Dozierende. Ziel ist es, Kompetenzen langfristig zu stärken und den Unterricht vor Ort dauerhaft weiterzuentwickeln.

«Internationale Einsätze zeigen sehr direkt, was Ingenieurdenken ausmacht: systematisch analysieren, pragmatisch umsetzen und Lösungen finden, auch wenn nicht alles sofort verfügbar ist.
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Urs SchildKoordinator internationale Beziehungen

Auch hftm-Studierende profitieren direkt von dieser Zusammenarbeit: Zwei Studierende der Studienrichtung Systemtechnik absolvieren derzeit einen 5-monatigen Aufenthalt in Hawassa. Allein die Anreise macht deutlich, wie weit dieser Schritt im wahrsten Sinn des Wortes geht: Flug via Kairo und Addis Abeba, danach weitere 2-3 Stunden Busfahrt bis nach Hawassa. Vor Ort arbeiten die Studierenden nicht nur an einem Ort, sondern in zwei Welten - an drei Tagen pro Woche in einer Maschinenfabrik und an zwei Tagen direkt für die Universität, unter anderem bei Reparaturen an Maschinen. Dabei zeigt sich schnell, was internationale Praxiserfahrung wirklich bedeutet: Nicht alles läuft nach Plan, Aufgaben können unerwartet repetitiv wirken, und technische Herausforderungen sind oft eng mit Logistik und Verfügbarkeit verknüpft. Genau deshalb wurde der Einsatz aktuell angepasst: Seit dieser Woche wechseln die Studierenden in eine andere Fabrik im Bereich Abfüllung (z.B. Getränkeindustrie), um noch stärker an systemtechnische Fragestellungen (und an ihre Studieninhalte) anzuknüpfen. Die Dozierenden haben diesen Wechsel begleitet und die neue Umgebung ebenfalls besucht.

Die Bedingungen vor Ort fordern fachlich und menschlich - und machen Lernfortschritte besonders spürbar. Ersatzteile und Material sind teilweise schwer zu beschaffen, oft besteht Abhängigkeit von Lieferungen aus Europa. Lange Wartezeiten beeinflussen Reparaturen und Projekte direkt. Das verlangt pragmatische Lösungen, kreative Umgehungsstrategien und den Mut, auch mit unvollständigen Ressourcen weiterzukommen. Genau in solchen Situationen wachsen Kompetenzen, die in technischen Berufen zentral sind: Improvisationsfähigkeit, strukturiertes Problemlösen, Teamarbeit und das sichere Handeln unter realen Rahmenbedingungen.

Die Gastdozentur und der Studierendenaustausch werden unter anderem durch das nationale Programm Movetia ermöglicht. Solche Einsätze leisten einen Beitrag zur internationalen Vernetzung der hftm und zeigen, wie technische Bildung Wirkung entfalten kann - fachlich, menschlich und gesellschaftlich.