Netzwerkanlass: Das Potenzial autonomer KI-Agenten in der Praxis

Am 10. September 2026 fand der Netzwerkanlass des hftm Fördervereins im CAMPUS TECHNIK in Grenchen statt – rund 100 Teilnehmende nahmen teil. Im Zentrum des Abends stand eine Frage, die aktuell zahlreiche Unternehmen beschäftigt: Wie wird aus einzelnen KI-Experimenten ein verlässlicher, produktiver Einsatz im Unternehmensalltag? Antworten darauf lieferte das Referat «Das Potenzial autonomer KI-Agenten in der Praxis».

Autonome KI-Agenten («Agentic AI») gehen dabei über klassische generative KI hinaus: Statt nur auf Anfrage Inhalte zu erstellen, nehmen sie ihre Umgebung wahr, ziehen daraus Schlüsse, planen eigenständig die nächsten Schritte, führen diese aus und reflektieren anschliessend das Ergebnis.

Nach der Begrüssung durch Jürg Gasser, Leiter Weiterbildung hftm und Sekretär des Fördervereins, führte Moderator Nino Tomasone von der Digital Impulse AG durch den Abend. Im Fokus stand das Referat von Caitlyn Zuppinger, Data & AI Consultant bei Infomotion.

Zwischen Experiment und Produktivbetrieb

Caitlyn startete mit einer nüchternen Standortbestimmung: Rund zwei Drittel der Unternehmen experimentieren heute bereits mit KI-Agenten – doch weniger als ein Viertel hat sie erfolgreich in den produktiven Einsatz skaliert. Als Gründe für diese Lücke nannte sie unter anderem einen zu starken Fokus auf Vollautomatisierung, fehlende Governance und Verantwortlichkeiten sowie Agenten, die lediglich als Zusatz statt als Anlass für eine echte Prozessneugestaltung eingesetzt werden.

Von der Inhaltsgenerierung zur eigenständigen Aktion

Anhand von Praxisbeispielen zeigte Caitlyn, wie sich die Einsatzmöglichkeiten von generativer KI entlang eines Spektrums entwickeln: von der reinen Inhaltsgenerierung – etwa E-Mails oder Newsletter – über Wissensmanagement mittels Retrieval-Augmented Generation (RAG) bis hin zur eigenständigen Prozessautomatisierung. Ein Beispiel aus dem Kundenservice machte dies greifbar: Ein Agent liest eine eingehende Kundenanfrage zu einer beschädigten Lieferung selbstständig aus, strukturiert die relevanten Angaben und überführt sie direkt in ein Formular für die Weiterverarbeitung.

Buy or Build?

Wer den Schritt zu Agentic AI wagen will, steht vor einer grundlegenden Entscheidung: eine integrierte, eingekaufte Lösung nutzen oder eine massgeschneiderte Eigenentwicklung aufbauen. Integrierte Angebote punkten mit schneller Time-to-Value und eingebauter Governance, während Eigenentwicklungen maximale Flexibilität sowie Unabhängigkeit von einzelnen Modellen und Cloud-Anbietern bieten. Unabhängig vom gewählten Weg brauche es laut Caitlyn in jedem Fall eine breite Modell-Anbindung, sauberes State Management, Zugriff auf unternehmensinternes Wissen sowie verlässliches Monitoring.

«Agentic AI ist keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern längst Teil der unternehmerischen Realität»
Caitlyn Zuppinger

Sicherheit ist kein Add-on

Mit wachsender Autonomie der Agenten wachsen auch die Risiken – von unbefugtem Datenzugriff über Prompt-Injection bis hin zu ungewollten Transaktionen. Caitlyn zeigte auf, wie Unternehmen dem auf mehreren Ebenen begegnen können: mit klarer Datenklassifizierung und Zugriffsbeschränkung, einer sauber getrennten, sandboxed Infrastruktur sowie Human-in-the-Loop-Mechanismen, die Agentenentscheidungen laufend überwachen und im Zweifel korrigieren.

Ihr Fazit: Agentic AI hat den Sprung von der Zukunftsvision in die unternehmerische Praxis längst geschafft – wer den produktiven Nutzen heben will, braucht neben der passenden Technologie vor allem klare Governance, geschulte Mitarbeitende und eine Kultur, die kontrolliertes Experimentieren zulässt.

Ein Abend, der nachwirkt

Im Anschluss an das Referat nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit für eine rege Fragerunde. Beim anschliessenden Apéro wurde der Austausch in kleinerer Runde weitergeführt – zwischen Häppchen und Getränken wurde weiter vernetzt, nachgefragt und über konkrete Anwendungsfälle im eigenen Unternehmen gesprochen. Für viele Teilnehmende war der Abend ein Denkanstoss, das Thema Agentic AI nicht nur strategisch, sondern auch ganz praktisch im eigenen Betrieb anzugehen.

Ausblick

Der nächste Netzwerkanlass findet am 05. November 2026 statt und widmet sich Cybersecurity im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: Risiken KI-basierter Cyberattacken verstehen & wirksam schützen. Mehr Informationen finden Sie hier.