Diese Lerntechniken erleichtern Ihr Studium

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Wie wir das Lernen lernen

«Warum kann ich mir den Stoff nicht schneller merken?» In der Prüfungsvorbereitung an sich zu zweifeln kommt vor, ist aber nicht nötig. Lernerfolg hat weniger mit Intelligenz und Talent zu tun, als mit dem Einsatz der richtigen Lerntechnik. Wer weiss, wie das Gehirn neue Inhalte verarbeitet und speichert, lernt besser. Erfahren Sie, welche Lernmethoden Ihnen helfen, Wissen einfacher zu speichern. Dann steht Ihrem Erfolg nichts mehr im Weg.

Drei Strategien sind unverzichtbar, damit Sie ganzheitlichen und nachhaltigen Lern- und Prüfungserfolg erlangen:

  • Instrumentelle Strategien
  • Mentale Strategien
  • Regenerative Strategien

Diese Lerntechniken erleichtern Ihr Studium

Instrumentelle und mentale Strategien

Hierzu gehören z.B.:

  • Ordnung des Arbeitsplatzes und Planung des zu lernenden Stoffs, z.B. mit einem Wochenplan
  • Gedankliche Einstimmung, wie «Ich will das» und «Ich kann das»

Lernerfolg hängt massgeblich mit der Art des Lernens zusammen. Darum besuchen die Studierenden der hftm zu Beginn des Studiums einen Einführungskurs zu den Themen Selbstorganisation und Lerntechnik. Holen Sie sich hier neue Tipps für den Beginn: 

Selbstorganisation und Disziplin in allen Ehren. Aber auch fleissige Student*innen kommen manchmal an einen Punkt, wo sie sich fragen: Warum kann ich mir den Stoff nicht schneller und besser merken? In der Phase der Prüfungsvorbereitung mehr Stoff lernen in kürzerer Zeit, das wäre schön. 

Lernerfolg hat weniger mit Intelligenz oder Talent zu tun, als mit dem Einsatz der richtigen Lerntechnik. Um ihre Lernziele einfacher zu erreichen, müssen Studierende verstehen, wie das Gehirn neue Inhalte verarbeitet und speichert und mit welchen Methoden und Techniken der Lernstoff optimal aufgenommen und in neue Kompetenzen umgewandelt werden kann.   

Effektives Lernen dank gehirngerechten Lerntechniken

Starke Lerntechniken erleichtern das Abspeichern von Wissen im Langzeitgedächtnis. Mit kurzfristigem Büffeln vor einer Prüfung sind Lehrinhalte im besten Fall an der Prüfung abrufbar. Wissensaufbau bedeutet aber auch, dass gelernte Inhalte miteinander verknüpft, langfristig gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden können. Die besten Lerntechniken berücksichtigen darum die Erkenntnisse zum gehirngerechten Lernen. Beim Thema Lernen werden Emotionen oft vergessen, obwohl sie entscheidend sein können. Man denke nur an die Themen Prüfungsangst und Denkblockaden. Neue Inhalte merken wir uns am besten, wenn wir entspannt und motiviert sind und noch besser, wenn wir dabei positive Gefühle haben. Es ist zudem ein Unterschied, ob wir etwas auswendig lernen, wie zum Beispiel Vokabeln einer Fremdsprache, oder ob wir die Zusammenhänge von Lerninhalten ergründen und studieren. Die Wahl der Lernmethode ist abhängig vom Lernstoff und von den individuellen Präferenzen. Was aber unabhängig von der Methode entscheidend ist, sind die Erkenntnisse der Hirnforschung bezüglich Lernen. 
 

Die drei Grunderkenntnisse zu gehirngerechtem Lernen

G1 Verarbeitungstiefe

Wenn wir uns aktiv mit einem Lernstoff beschäftigen, kann er auch im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden, denn der Weg dorthin führt durchs Arbeitsgedächtnis. Wenn wir uns bewusst und intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt haben, können wir es leichter speichern und später wieder abrufen. In diesem Zusammenhang sprechen wir von Verarbeitungstiefe. Intensive, emotionale Ereignisse erinnern wir oft ein ganzes Leben lang, ohne je geübt oder repetiert zu haben. 

Selbsttest dazu: Beantworten Sie die folgenden Fragen ohne nachzuschauen: Welche Farbe haben die Zeiger Ihrer Uhr? Welches Icon ist auf dem Homebildschirm Ihres Smartphones ganz oben rechts? Die meisten wissen es nicht. Obwohl Sie täglich unzählige Male auf die Uhr oder das Handy schauen. Warum? Weil Sie über diese Frage nie aktiv und bewusst nachgedacht haben. Und nur das speichert unser Gehirn. 

G2 Wiederholen und repetieren  

Unser Gehirn schützt sich vor Überlastung, indem es ständig Informationen filtert und ungenutztes Wissen löscht. Manche Lerninhalte wie zum Beispiel Vokabeln einer Fremdsprache, können wir weniger analysieren und begreifen als komplexe Sachverhalte. Wir müssen also manchmal auch schlicht Fakten auswendig lernen. Hier brauchen wir mehrere Wiederholungen, um sie langfristig speichern und anwenden zu können. Bei neuen Inhalten repetieren wir in kurzen, bei bereits gefestigten Inhalten in längeren Abständen. So können wir die Vergessenskurve überlisten. Auch hier gilt, wie in Punkt 1 beschrieben: Je grösser die Verarbeitungstiefe (ein Aufenthalt im Sprachgebiet oder die richtige Lerntechnik) desto weniger Wiederholungen (Vokabeln pauken) sind nötig.  

G3 Variable Lernmethoden sprechen alle Sinneskanäle an 

Wir sind es seit der Schulzeit gewohnt, beim Lernen mehrheitlich zuzuhören oder Texte zu lesen. Wir markieren wichtige Textstellen, machen Notizen, schreiben vielleicht Karteikarten. Das sind durchaus sinnvolle Techniken. Es gibt aber viele andere, oft wirkungsvollere Lernmethoden. Je besser eine Methode berücksichtigt, wie unser Gehirn Inhalte am besten verarbeitet und speichert, desto effektiver erreichen wir unsere Lernziele. Unterschiedliche Lernmethoden berücksichtigen mehrere „Wahrnehmungskanäle“ und fördern den Lern- und Speicherprozess. (lesen, hören, tun, über etwas sprechen, in Bezug zu anderen Themen setzen, assoziieren…) Um herauszufinden, welche Lernmethoden uns besonders liegen, sollten wir offenbleiben und auch Neues ausprobieren. So geben wir unserem Gehirn die Möglichkeit, Inhalte über verschiedene Kanäle zu verarbeiten, was ebenfalls der Verarbeitungstiefe (1) dient. Versuchen Sie doch einfach die folgenden Lerntechniken aus. Viel Erfolg beim Lernen!   

Drei beispielhafte Lernmethoden, die gehirngerechtes Lernen ermöglichen  

LM1 Mindmap – vernetzen und abspeichern

Diese bekannte Art der Visualisierung eines Lernstoffes ist bei komplexen Lerninhalten besonders geeignet. So können Sie sich einen guten Überblick schaffen und sich der Struktur und Essenz eines Themas auf assoziative Weise nähern. Sie notieren vom Hauptthema ausgehend verschiedene Aspekte und Unterthemen und stellen die Verbindungen optisch dar. Die Unterthemen werden immer weiter ergänzt und Teilthemen und Aspekte miteinander verbunden. So entsteht ein grosses Gedankennetz. Im Team kommt noch der Effekt der gegenseitigen Inspiration dazu, was den Lerneffekt zusätzlich verstärkt. 

LM2 Auswendiglernen mit der Loci-Methode

Diese Methode gehört zu den Mnemotechniken, die das Speichern und Behalten von Informationen im Langzeitgedächtnis verbessern. Zu dieser Gruppe gehören alle Arten von „Eselsbrücken“. Wer so lernt, nutzt die Tatsache, dass das Gehirn Bilder und Zusammenhänge besser speichern kann, als abstrakte Inhalte. Bei der Loci-Methode nutzen wir die Vorstellungskraft und deponieren bestimmte Lerninhalte an Orten eines imaginären Weges, zum Beispiel durch unsere Wohnung. Auf dem Rundgang legen wir also zum Beispiel Französischvokabeln unters Sofa, auf den Tisch oder in die Topfpflanze. Ebenso können wir Lerninhalte an bestimmten Stellen unseres Körpers ablegen, zum Beispiel am Zeh, am Knie, an der Hüfte usw. Klingt verrückt, verkürzt die Lernzeit aber frappant. Denn sobald wir in Gedanken den Weg wieder ablaufen, erinnern wir uns an die Lerninhalte.

LM3 Assoziativ lernen, mit ABC-Listen  

Sich mit einem Lernthema auf kreative Weise zu beschäftigen, gibt dem Gehirn eine neue Art des Zugangs. Notieren Sie das ABC auf einem Blatt von oben nach unten. Nun notieren Sie zu jedem Buchstaben ein Wort mit ebendiesem Anfangsbuchstaben, das direkt oder indirekt mit dem Lernthema zusammenhängt. Diese Methode wirkt auf den ersten Blick etwas chaotisch, aber genau das ist ihre Stärke. Sie ermöglicht es, sich einem Thema schnell und assoziativ zu nähern. Das unterstützt den Speicherprozess im Gehirn, alte Denkmuster werden aufgebrochen und der Lernstoff kann spielerisch verinnerlicht und mit bestehendem Wissen verknüpft werden. 

Regenerative Strategien

Diese ergänzen und unterstützen die oben erklärten instrumentellen und mentalen Strategien ideal, indem sie den Weg ebnen, diese optimal umzusetzen und zu integrieren.

Zu den regenerativen Strategien gehören unter anderem die medizinischen Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung PME und Autogenes Training AT, und die Achtsamkeitsmeditation AI®. 

Klarheit, Fokussiertheit und Konzentration sind drei der wesentlichen Kompetenzen, die durch diese Entspannungsverfahren trainiert und vertieft werden. Und das Beste: In entspanntem Zustand, durch das Runterregulieren der Grundanspannung, ist das Gehirn aufnahmefähiger, die Behaltensleistung steigt und Affekte wie Angst und Aggression haben weniger Gewicht, denn da wo Entspannung vorherrscht, kann sich die Angst oder die Aggression nicht den gewünschten Raum nehmen. Das ist in Lernsettings und besonders in Vortrags- und Prüfungssituationen von grosser Bedeutung. Dadurch, dass diese Entspannungsverfahren erlernt werden, steigt die Selbstwirksamkeit, die Gelassenheit und das Vertrauen in die eignen Fähigkeiten, was in alle Lebensbereiche transferiert werden kann. So dienen die Entspannungsverfahren auch der Stärkung des Kohärenzgefühls, d.h. des Glaubens an die eigene Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit (n. Aron Antonovsky) und das wiederum hilft nachweislich der Resilienzförderung, also der Förderung der persönlichen Widerstandskraft. «Nothing can beat success.»

Mehr zum Thema «Wie wir erfolgreich lernen»

Selbstverständlich gibt es noch unzählige weitere Lernmethoden und –techniken. 

Wer sich für das gehirngerechte Lernen interessiert, dem sei ein Blick auf Vera F. Birkenbihls Lebenswerk empfohlen. Ihre Videos wirken auf den ersten Blick altbacken, aber es lohnt sich, der Frau zuzuhören. 

Jürg Gasser

Jürg Gasser

Leiter Weiterbildung und Dienstleistungen

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